'Geradezu rituell beschweren sich Arbeitgeber über die mangelnden Qualifikationen junger Menschen', meint Co-Herausgeber Thilo Baum. Bei der Kritik gehe es meist um Defizite in der Alltagskompetenz - aber auch um manches konkrete Handwerk, das heute am Arbeitsplatz zählt.
'Solange wir in der Schule nicht lernen, wie man mit Geld umgeht, Prioritäten setzt, Stil entwickelt und sich klar ausdrückt, so lange ist es ja eigentlich auch egal, ob man all diese Dinge im Frontalunterricht versäumt oder im Stuhlkreis.' Ein Problem sieht der Autor zahlreicher Bücher vor allem in der 'Diktatur der Theoretiker'. 'Das Bildungssystem und auch die das klassische Bildungsbürgertum vertretenden Theoretiker sollten die Realität anerkennen und sich eingestehen, dass die wesentlichen Dinge die Schule nicht lehrt, und was sie lehrt, ist großteils irrelevant', kritisert Baum.
'Damit bereitet die Schule nicht aufs Leben vor, sondern nur auf die nächste Schule, etwa eine Uni, wo die Orientierung am Akademischen weitergeht.' Das Bildungssystem sollte auch nicht länger ignorieren, dass aus Schulabgängern Arbeitnehmer, Selbstständige, Führungskräfte, Manager und Unternehmer werden - nur eine Minderheit verbringe den Rest des Lebens an irgendeinem Uni-Institut oder als Literat.
'Statt sich für die Anforderungen der beruflichen Wirklichkeit zu öffnen und die Lücken des Bildungswesens zu schließen, tut die Bildungsszene so, als würden alle Schulabgänger wissenschaftliche Mitarbeiter an irgendwelchen Unis', so Baum. 'Doch welcher Arbeitgeber beklagt, dass Schulabgängern Detailwissen über die Sonatenhauptsatzform oder über den Zitronensäurezyklus fehlt?' Und wer in einem dieser Themen nicht firm sei, bekomme in der Schule eine schlechte Note - selbst dann, wenn dieses Thema später im konkreten Leben des jeweiligen Menschen keine Rolle spielt.
'Niemand, den wir fragen, ist heute beruflich in einem Bereich tätig, den er oder sie früher als Schüler nicht mochte und widerwillig pauken musste.' Was also lag näher, als 'Die Bildungslücke' als Buch zu machen? 'Wenn man erfolgreich werden will, egal in welchem Bereich, ist es nicht ratsam, Gelehrte um Rat zu fragen, sondern eher Erfahrene.' Also haben er und sein Co-Herausgeber Martin Laschkolnig 20 Profis interviewt. Gemeinsam füllen sie 'Die Bildungslücke' mit Themen wie Selbstwert, Respekt, Konfliktlösung, Verhandeln und auch Führung sowie Geld.
'Bildungslücke' ist im Verlag Börsenmedien erschienen und ist beim Link in der aktuellen Auflage bei amazon zu beziehen. Neben Thilo Baum zeichnen auch Martin Laschkolnig und Alexander Maria Faßbender für den Inhalt veranwortlich.